Ian Karan


Den Menschen für sich gewinnen

„Die Bank ist für mich wie ein Club – aber ohne Zwänge.“ Ian Karan, 76, Kaufmann, Mäzen und Hamburger Wirtschaftssenator a.D., verheiratet, vier Kinder, Stammgast der Bank seit 2009.

Herr Karan, was ist ihr Lieblingsplatz in der Bank?
Ich mag, dass ich hier die Wahl habe. Wenn ich möchte, kann ich Ruhe finden, so wie jetzt, und hier in der Ecke sitzen. Oder aber man kann mitten im Trubel sein und im Sommer draußen sitzen. Hier finde ich immer meinen Platz. Natürlich ist auch das Essen gut und die Weine; die Bedienung ist freundlich und schnell und als Stammgast wird man mit Namen begrüßt – das ist immer ein wunderbarer Empfang.

Was macht das Besondere der Bank für Sie aus?
Die Bank, sie ist für mich wie ein Club – aber ohne Zwänge. Man kann ohne Krawatte hier aufkreuzen, muss kein Mitglied sein – aber trotzdem trifft man Freunde und Kollegen. Auch die Klasse der Gä-ste erinnert an einen Club: ich hatte zum Beispiel das Vergnügen, dem ehemaligen Bundespräsidenten, Christian Wulff hier Guten Tag sagen zu können, ihn kennenzulernen und eine Bekanntschaft daraus zu machen. Das kann einem hier täglich passieren. Man trifft bekannte Menschen, die sich ganz normal benehmen. Christian Wulff ist so ein Fall, ein ganz toller Mann, finde ich, der überhaupt keine Allüren hat. Den hätte ich in einem anderen Lokal wohl nicht kennengelernt. Den Unterschied macht der Gastgeber, egal wo man hinkommt. Dirk von Haeften ist da ein wunderbarer Gastgeber, er hat einen Haufen fähiger junger Leute hier versammelt – denn das Essen kann noch so gut sein – wenn die Bedienung unfreundlich ist, geht man nicht mehr hin.

Sie waren Wirtschaftssenator der Hansestadt, können Sie uns verraten warum man in Hamburger Restaurants so wenig Politiker trifft?
Wir haben in Hamburg ein Feierabend-Parlament. Bürgerschaftsabgeordnete verdienen tagsüber ihren Lebensunterhalt, politische Arbeit findet nachmittags und abends statt. Und die Senatoren – die Vollzeitpolitiker – sind so stark mit Terminen und Verpflichtungen zugedeckt, dass kaum Zeit für ungezwungenes gesellschaftliches Leben bleibt. Ich kann Ihnen sagen, als ich Senator war, hatte ich so wenig Zeit für mich, wie noch nie und habe (lacht) so viele schlechte Weine getrunken, wie noch nie in meinem Leben.

Gab es auf den Empfängen nichts Anständiges?
Überall gab es Fingerfood. Irgendwann hängen einem die Häppchen zum Hals raus.

Viele Politiker fühlen sich von den Medien schlecht behandelt, ging Ihnen das ähnlich?
Anfangs ja. Die ersten Wochen hatte es die Hamburger Morgenpost auf mich abgesehen. Da hatte ich schlaflose Nächte. Aber als ich mir klargemacht habe, dass es doch gar nichts gibt, was man mir vorwerfen könnte, habe ich meinen Frieden mit den Medien geschlossen und die Medien anscheinend auch mit mir. Sehr bald schon haben Zeitungen wie das Hamburger Abendblatt und die Süddeutsche sehr nette Dinge über mich geschrieben.

Nach Ihrer Zeit als Wirtschaftssenator haben sie wieder als Kaufmann gearbeitet. Was schätzen sie an diesem Beruf?
Zu allererst, dass man mit vielen Menschen zusammenkommt. Egal, was sie verkaufen, welches Produkt das auch immer sein mag – ein Stück Brot oder ein Flugzeug – Sie verkaufen es einem Menschen. Deshalb muss man immer erst den Menschen für sich gewinnen. Das ist etwas, dass mir große Freude bereitet.

Die Hamburger Kaufmannschaft wird von Männern dominiert, ist das gut so?
(Lacht) „Ich freue mich über jede einzelne Frau mehr am Tisch. Man redet anders, wenn Frauen anwesend sind. Ich war über die Jahre auch in ein paar Männer-Gruppen engagiert, auch eine schöne Sache, aber generell bevorzuge ich Gesellschaften, wo auch Frauen dabei sind.

Was hat sie in Ihrem Berufsleben mehr geprägt, Ihre Erfolge oder Ihre Niederlagen?
Ich bin das was ich bin, weil ich so viele Fehler gemacht habe. Hätte ich nicht all diese Fehler gemacht, wäre ich borniert geworden und hätte eines Tages wahrscheinlich den einen ganz großen Fehler gemacht, einen von der Art, der dich erledigt. Davor haben mich meine vielen kleineren Fehler bewahrt – aus denen ich gelernt habe. Das macht nicht jeder. Einige Leute suchen die Fehler immer bei den anderen, nie bei sich selbst.

Wie halten Sie es mit dem Genuss? Eher protestantisch streng? Oder katholisch barock?
Ich bin protestantisch erzogen worden, von daher gefallen mir die protestantischen Gepflogenheiten und die Zurückhaltung. Aber hier in der Bank, kann man frei wählen: asketisch, wenn man will, nur Fisch, vegetarisch, ohne Alkohol. Oder – wozu ich meistens neige – auch mal mittags ein Glas Wein. Auch wenn ich weiß, dass der nicht gut für einen flachen Bauch ist. (Lacht) Aber dann laufe ich lieber eine Extrastrecke.

Ian Karan im Gespräch mit Peter Goldammer für die BANK.
Mehr über Ian Karan und sein Unternehmen finden Sie auf: de.wikipedia.org/wiki/Ian_Karan

Foto von Gerhard Linnekogel

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