Ina Krug

Ina Krug

Kochen für Katzen und Könige

Ina Krug steht hinten an der Tür, die den Servicebereich mit dem Großen Saal verbindet. Sie beobachtet aufmerksam die Gäste an der langen Tafel: Wie reagieren sie, lässt der Ehrengast womöglich den Teller unberührt zurückgehen? „Aufgeregt wie ein Schulmädchen, bin ich in diesen Momenten“, sagt sie. Auch diesen Mittag ist sie es, wo sich im Großen Saal des Hamburger Rathauses sechzig geladenen Gäste versammelt haben – zu Ehren des Besuchs von Königin Máxima, Prinzessin der Niederlande.

DIEBANK_catering_inakrug

„Wenn ich diese Aufregung nicht mehr spüren würde, wäre es an der Zeit aufzuhören“, sagt Ina Krug, die in der Bank als Geschäftsführerin für die Veranstaltungen zuständig ist. „Auch wenn man viel Routine braucht, um solche Events zu bewältigen “, sagt sie und gießt das Wasser in unseren Gläsern nach, „darf man nicht in Automatismus erstarren, muss sich die Lust auf Neues erhalten.“

So wie an diesem Mittag, wo für das Rathaus gekocht wird. Deren Auftrag für die Bewirtungen lautet: immer regional und saisonal. Als Vorspeise gibt es daher Labskaus. Aber eben nicht so, wie es im Touristenlokal am Hafen serviert wird. Das wäre keine Herausforderung. Also interpretiert der Sous-Chef, Henning Wulff, der an diesem Tag die Küche anführt, das Gericht neu. Mit einer Praline Corned Beef, Gurkenrelish, Kartoffelchips auf Rot-Beete-Jus, getoppt von einem Wachtelei. Die Teller kommen leer zurück, Königin Maxima lächelt. Ina Krug strahlt.

Das ist bei den meisten anderen Veranstaltungen nicht anders. In nur zwei Jahren hat sie den Veranstaltungs-Umsatz der Bank verdoppelt. „Eine gemeinschaftliche Leistung“, sagt sie, wenn man sie darauf anspricht. „Man ist nur so gut wie das Team.“ Und das Team ist gut. In Berlin organisiert die PR-Unternehmerin Nicole Weber für Opel einen Abend im Palazzo Italia: Der Opel Kalender 2015 wird vorgestellt, fotografiert von Karl Lagerfeld. Ein riesiger Presse-Event mit vielen VIPs und gesetztem Essen. Das Catering kommt aus Hamburg. Von der Bank. „Weil ich mich auf Ina absolut verlassen kann“, sagt Nicole Weber. Und Ina Krug kann sich absolut auf ihr Team verlassen. Als die Küchenmannschaft in Berlin die Vorbereitungen für das Dinner in einem Nebenraum abgeschlossen hat – der gesamte Boden musste abdeckt werden –und nach drei Stunden Vorbereitung die Öfen angestellt wurden, erscheinen kurz darauf ein paar ernst dreinblickende Männer und schütteln die Köpfe. „Das geht nicht“, heißt es knapp, die Rauchmelder seien extrem sensibel, „bei Hitze schlagen die sofort an und die Sprinkleranlage geht los. Dann sitzen ihre Gäste plötzlich in der Dusche.“ Thomas Fischer, der Küchenchef der Bank spürt in diesen Moment, wie sein persönlicher Hitzemelder anspringt. „Wie, bitteschön, soll ich das frisch präparierte Menü für die Gäste warm machen – ohne Wärme?“ Die Antwort: Achselzucken. Die Bedenkenträger rücken ab und lassen ratlose Köche zurück. Die tun das, was sie immer machen, wenn es Schwierigkeiten gibt: improvisieren. Erst einmal wird – ganz vorsichtig – getestet, bei welcher Temperatur die Rauchmelder anspringen. Dann werden – zur Sicherheit – die Rauchmelder mit Plastikbechern abgeklebt. Danach werden – ganz vorsichtig – die Öfen angeschmissen und dass Essen bereitet.

Alles geht gut. Karl Lagerfeld bekommt keine kalte Dusche. „Man muss nur die Ruhe bewahren“, sagt Thomas Fischer und Ina Krug nickt. Schief geht immer irgendetwas. Nur nicht die Nerven verlieren. „Wichtig ist nur, dass der Gast nicht unter den Pannen zu leiden hat“, sagt Ina Krug und diesmal nickt Thomas Fischer. An diesem Abend hat niemand zu leiden. Im Gegenteil. Das Essen ist ein großer Erfolg. Ina Krug hat wieder, wie immer, händewringend die Gäste beobachtet. Ob es alle schön haben. Auch Karl Lagerfeld scheint mit seinem Essen glücklich zu sein. Der Teller des Stargastes ist leer.

Als das Küchenteam später, mitten in der Nacht, abräumt und draußen den Lieferwagen für die Rückfahrt nach Hamburg belädt, fragt ein Berliner Passant: „Wat war denn hier wieder los?“ „Ein Essen“, antwortet einer der Auszubildenden, „mit Karl Lagerfeld, für Opel.“ Der Berliner fragt weiter: „Wat hat denn der Lagerfeld für Opel jemacht? Ehn neues Design?“ „Nein“, antwortet der junge Koch, „Fotos mit seiner Katze.“ Der Passant kratzt sich am Kopf, „Det glof ik nich, ihr kommt janz nach Berlin, um für ‘ne Katze zu kochen?“